Wenn alte Ausbesserungen Probleme machen – so rettest du dein Mauerwerk

Wenn alte Ausbesserungen Probleme machen – so rettest du dein Mauerwerk

Ein schönes Mauerwerk verleiht einem Haus Charakter und Beständigkeit – vorausgesetzt, es wird richtig gepflegt. Viele ältere Gebäude in Deutschland haben im Laufe der Jahrzehnte Ausbesserungen erhalten, bei denen Materialien verwendet wurden, die nicht zu den ursprünglichen Baustoffen passten. Häufig kamen Zementmörtel, dichte Farben oder Kunstharzputze zum Einsatz. Das Ergebnis: Abplatzungen, Feuchtigkeitsschäden und Risse, die das Mauerwerk langfristig schwächen. Mit dem richtigen Wissen lässt sich das jedoch beheben – und dein Mauerwerk kann wieder atmen.
Wenn alte Reparaturen mehr schaden als nützen
In den 1960er- und 70er-Jahren galt Zementmörtel als moderner und besonders haltbar. Für historische Ziegel oder Natursteinmauerwerk ist er jedoch zu hart und zu dicht. Alte Ziegel sind meist weicher und poröser – sie müssen Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben können. Wird diese Feuchtigkeit durch dichte Fugen oder Beschichtungen eingeschlossen, entstehen Frostschäden, Abplatzungen und Salzausblühungen.
Auch dichte Fassadenfarben oder Putze können problematisch sein. Sie verhindern, dass Feuchtigkeit aus dem Mauerwerk entweichen kann. Die Folge sind dunkle Flecken, abblätternde Farbschichten und eine schleichende Zerstörung der Oberfläche.
So prüfst du den Zustand deines Mauerwerks
Bevor du mit der Sanierung beginnst, solltest du genau wissen, womit du es zu tun hast. Eine gründliche Bestandsaufnahme ist der erste Schritt:
- Fugen prüfen: Sind sie hart, rissig oder bröckelig? Eine sehr feste, graue Fuge deutet auf Zement hin, während eine hellere, weichere Fuge meist aus Kalkmörtel besteht.
- Ziegel oder Steine begutachten: Gibt es Abplatzungen, Verfärbungen oder lose Steine? Das weist auf Feuchtigkeit oder Salzbelastung hin.
- Oberfläche testen: Ist die Fassade gestrichen, kannst du mit einem einfachen Test prüfen, ob die Farbe diffusionsoffen ist. Klebe ein Stück Folie auf die Wand und warte 24 Stunden. Bildet sich Kondenswasser dahinter, ist der Anstrich zu dicht.
Bei Unsicherheiten lohnt es sich, einen Maurermeister oder Bausachverständigen hinzuzuziehen – besonders bei denkmalgeschützten Gebäuden.
Alte Materialien vorsichtig entfernen
Wenn klar ist, wo das Problem liegt, müssen die ungeeigneten Materialien entfernt werden – mit Geduld und Fingerspitzengefühl. Zementfugen lassen sich mit Hammer und Meißel oder einem Fugenfräser lösen, aber arbeite behutsam, um die Ziegel nicht zu beschädigen.
Bei Farbschichten oder Putz gilt: Verwende möglichst schonende, diffusionsoffene Reinigungsverfahren. Dampfstrahlen oder Heißwasser-Niederdruckverfahren sind oft besser geeignet als Hochdruckreiniger, die Wasser tief ins Mauerwerk treiben können.
Die richtige Mörtelwahl
Für eine dauerhafte Sanierung ist die Wahl des passenden Mörtels entscheidend. Grundregel: Der Mörtel muss immer weicher sein als der Stein.
- Historische Gebäude (vor ca. 1950): Reiner Kalkmörtel oder hydraulischer Kalkmörtel ist ideal. Er bleibt elastisch und lässt Feuchtigkeit entweichen.
- Neuere Gebäude: Hier kann ein schwach zementhaltiger Mörtel geeignet sein, solange er nicht zu hart ist.
In Deutschland sind viele Kalkmörtel als Fertigmischungen erhältlich, etwa auf Basis von NHL (natürlichem hydraulischem Kalk). Sie verbinden gute Festigkeit mit ausreichender Diffusionsfähigkeit.
Neu verfugen und nachbehandeln
Vor dem Neuverfugen müssen die Fugen sauber und leicht angefeuchtet sein. Fülle sie vollständig mit Mörtel und drücke diesen gut ein. Die Oberfläche sollte leicht strukturiert bleiben – ein zu glattes Finish verschließt die Poren und behindert die Atmung des Mauerwerks.
Nach dem Verfugen sollte die Wand einige Tage feucht gehalten werden, damit der Mörtel langsam aushärtet. Bei Kalkmörtel kann ein abschließender Anstrich mit Kalkmilch oder Kalkwasser die Oberfläche schützen und optisch vereinheitlichen.
Zukünftige Schäden vermeiden
Damit dein Mauerwerk lange gesund bleibt, ist Vorbeugung entscheidend. Achte darauf, dass Regenwasser über Dachrinnen und Fallrohre zuverlässig abgeleitet wird. Halte Pflanzen und Erde von der Fassade fern, damit keine dauerhafte Feuchtigkeit entsteht. Kontrolliere regelmäßig die Fugen – kleine Risse lassen sich frühzeitig ausbessern, bevor sie zu größeren Schäden führen.
Für Besitzer älterer Häuser kann es sinnvoll sein, eine regelmäßige Wartung durch einen Fachbetrieb oder im Rahmen eines Sanierungskonzepts durchführen zu lassen. So bleibt der Zustand des Mauerwerks im Blick.
Ein atmendes Mauerwerk hält Generationen
Ein Mauerwerk, das Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben kann, bleibt stabil und schön – oft über Jahrhunderte. Voraussetzung ist, dass Reparaturen mit passenden, traditionellen Materialien erfolgen. Wenn du alte, schädliche Ausbesserungen entfernst und dein Mauerwerk mit Respekt behandelst, bewahrst du nicht nur die Substanz deines Hauses, sondern auch ein Stück Baukultur.













